Das Kind ist zwangsläufig abhängig, weil es die anderen zum Wachsen braucht. Seine lebensnotwendigen Bedürfnisse sind Nahrung, Hygiene, Erziehung, Schutz und Sicherheit. Aber vor allem braucht es Liebe, Anerkennung, Zuwendung, Respekt sowie die Freiheit, sich auszudrücken und zu handeln.

Stattdessen erhält es von den Erwachsenen Einschränkungen, Vorwürfe, Beschimpfungen, verbale und physische Gewalt, Verurteilung und Respektlosigkeit und erleidet so einen Mangel in der Befriedigung seiner lebensnotwendigen Bedürfnisse. All dies ruft Schmerzen, Traurigkeit und Verletzungen in ihm hervor.

Das Kind leidet unter diesen Ungerechtigkeiten, dieser Macht und dieser Angst und entwickelt Wut. Durch seinen Status als Kind, seine Schwäche und Verletzlichkeit, seine geringe Körpergröße und seine Unterlegenheit kann es diese Wut jedoch nicht ausdrücken. Es unterdrückt sie zusammen mit allen anderen Emotionen, um nicht zurückgewiesen zu werden.

Um seinen Mangel auszugleichen, prostituiert und unterwirft es sich also und befriedigt die Bedürfnisse der anderen. Es wird zu dem, was die anderen von ihm verlangen, nämlich ‘perfekt’, nett, liebenswert, hilfsbereit, höflich. Oder es wird aus Protest ‘unperfekt’ und lässt die anderen für die Ungerechtigkeiten bezahlen, indem es gewalttätig, gemein, hasserfüllt und wütend ist.

Damit es sich von dem befreien kann, was ihm in seiner Kindheit durch die Erziehung mitgegeben wurde und was nun sein Leben als Erwachsener beeinflusst und stört, muss es all seine Schutzmechanismen durchqueren, hinter sich lassen und transformieren.